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Künstliche Riffe


Schon seit den 60ern ist die Konstruktion künstlicher Riffe im Gespräch. Obwohl sie ursprünglich entworfen wurden, um beschädigte Küstenstriche vor der Brandung zu schützen oder das Unterwasserleben zu fördern, lassen sich durch künstliche Riffe surfbare Wellen erzeugen, die zur Entlastung überfüllter Lineups an nahe gelegener Surfspots beitragen können . Weiterhin ist es möglich, die Eigenschaften, die eine Welle haben soll, zu beieinflussen. So ließen sich schnelle, steile Wellen für Shortboarder und Bodyboarder entwerfen sowie langsamer brechende Wellen für Longboarder und Surfanfänger. Zu den nicht unerheblichen Nachteilen künstlicher Riffe zählen seine hohen Kosten sowie die Gefahr, dass sie die natürliche Meeresfauna negativ beeinflussen könnte.

Um festzustellen, welche Formen eines Riffs bestimmte Welleneigenschaften erzeugen, wurden die berühmtesten Riffe der Welt von Forschern bereits detailgenau untersucht. Daraufhin sind unzählige Modelle von Riffen entstanden, die spezifische Wellenbedingungen an bestimmten Spots herbeiführen sollen.

Schon 1970 wurde vor der Küste von Doheny in South Orange County (USA) ein Gemisch aus Sand und Schlamm versenkt, das durch Strömungen und Wellengang jedoch bereits abgetragen wurde, bevor es zur Entstehung einer surfbaren Welle kommen konnte. Ein Jahr später kam es im Rahmen eines von regionalstaatlichen Organisationen finanzierten Projekts zur Positionierung von 55 industriell verstärkten, jeweils 3200kg-schweren Nylon-Sandsäcken nördlich des Hermosa Beach Piers. Die Positionierung der Sandsäcke zeigte jedoch keine zu beobachtende Auswirkung auf die Wellenbrechung. Im Jahre 1988 ließ sich die U.S. Navy von der Surfrider Foundation dazu überzeugen, vor der Küste von San Diegos Silver Strand State Beach 140.000m³ Sand abzuladen, wodurch vorübergehend eine geeignete Welle entstand. Zu Amerikas größten Bemühungen, ein künstliches Riff zu erzeugen, kam es 2000 im südwestlich von Los Angeles gelegenen El Segundo. Das 2000-Tonnen-schwere, aus Sandsäcken konstruierte „Pratte's Reef“ kostete die Staaten satte 300.000 US-Dollar, ohne jegliche Auswirkungen auf die Wellenbrechung zu haben. Auch die Renovierung des Riffs in Höhe von 200.000 US-Dollar, die im darauf folgenden Jahr durchgeführt wurde, brachte keine verbesserte Wellenbrechung mit sich.

In Australien wurden inzwischen zwei funktionierende künstliche Riffe erbaut. Das 1998 in Westaustralien konstruierte Riff „Cable Station“ bzw. „Cables“ basiert auf 10.000 Tonnen Granit und erzeugt schnelle, wohlgeformte Wellen, die man bei guten Bedingungen über eine Distanz von bis zu 140m surfen kann. Das Projekt verschlang fast 1 Million Dollar und wurde von der westaustralischen Regierung entworfen, finanziert und durchgeführt. 1999 wurde dann an der australischen Gold Coast – Narrowneck – ein weiteres Riff aus Sandsäcken konstruiert. Obwohl es primär den Strand vor Erosion beschützen sollte, kommt es unter den richtigen Wellenbedingungen zur Entstehung einer surfbaren Welle, die sich inzwischen großer Beliebtheit erfreut.

An vielen Orten der Welt plant man nun weitere künstliche Riffe. Das auf den Bau künstlicher Riffe spezialisierte neuseeländische Unternehmen „Artificial Surfing Reefs Ltd“ (ASR) ist momentan mit dem Entwurf bzw. Bau einer Reihe neuer Riffe beschäftigt, darunter sechs Projekte in Neuseeland, vier in Großbritannien und drei in Australien.

(Text: Daniela Cramer)





 
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