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Finnen - by Ralf Götze

Ralf Götze, Surfleher, Surfschulinhaber (www.soerfcamp.de) und  – Buchautor schreibt für uns über Finnen:


Wie viele Finnen sind genug?

Bis etwa 1910 hatten Surfboards gar keine Finnen, von ca. 1920 bis 1960 immerhin eine, und mit kürzer werdenden Boards auf Grund neuer Materialien und damit einhergehend neuen Shapes machten sich 2 Finnen sehr gut unter einem Board. Als 1980 Simon Anderson zuerst mit 3 Finnen auf einem Kontest auftauchte, wurde er von den anderen Fahrern ausgelacht. 1981 dann hatte er die Aussenfinnen so ausgerichtet, wie wir sie von modernen Boards her kennen. Innerhalb weniger Monate verbreitete sich die „Thruster“- Finnenanornung wie ein Lauffeuer quasi weltweit. Keine andere Verbesserung
im Surfboarddesign hatte je diesen durchschlagenden Erfolg. Natürlich wurde auch mit noch mehr Finnen experimentiert, doch recht erfolglos. Erst der sog. „Bonzer“ mit 5 Finnen bewährte sich einigermaßen, gerietjedoch auch rasch wieder in Vergessenheit. Mit dem Auftreten der Retro-Welle Anfang des Jahrzehnts/Jahrtausends kamen auch die echten Retro-Boards wieder ins Visier – und damit Single- und echte Twin-Fins. Nicht nur das Design und das Shape dieser Boards, sondern auch das Fahrverhalten ist komplett anders als bei modernen Surfboards. Doch im Zuge dieser Retro-Welle kamen auch einige lang vergessene Vorzüge der alten Finnenanordnungen wieder zu Tage. Und seit etwa 2006 hat man die Twin-Fin mit dem Thruster erfolgreich gekreuzt und herausgekommen ist der Quad, vielleicht die Neuerung im Finnensektor, auf die man seit 25 Jahren gewartet hat. Und weil viele Finnen nicht nur schön sind, sondern auch den Board- und Finnenherstellern eine neue Einnahmequelle bieten, bekommt nun auch der tot geglaubte 5-Finner wieder sein Rivival.


0 Finnen
Klingt zunächst lächerlich – doch jeder Dropknee-boarder, jeder Skimboarder und jeder fakie-fahrende (Long)Boarder hat keine Führung durch Finnen, sondern muss sich anders behelfen. Wer über eine scharfe Railführung verfügt, ist auch gar nicht so schlecht auf einem finnenlosen Board unterwegs. Einen gewissen Lerneffekt hat das ganze schon – das Board ist extrem loose und erleichtert beispielweise das Erlernen von Rotationen wie 360er. Und spätestens seit Jamie O´Brian in seinen „Freak“-Videos finnenlos im Pipeline Shore-break sich eine Tube nach der anderen holt, kann man wenigsten mal über ultra-old-school nachdenken und sich auf scharfe Rails, Pintails und große Zehen als Ersatzfinnen konzentrieren. Nicht immer, aber wenn mal wieder die Wellen zu lasch sind…
1 Finne
In den letzten 20 Jahren war die Singlefin fast ausschließlich Longboards vorbehalten. Das Fahrverhalten hat auch etwas unmodernes, was natürlich keine Wertung sein soll. Aber mit einer einzelnen Finne fallen die Turns konstruktionsbedingt weicher aus, da eine einzelne Finne beim Kurvenfahren eben mehr bremst. Langsamer und weicher bedeutet dann auch nicht so vertikal, wie es eben zum modernen Surfen gehört. Im Gegenteil haben sich viele Longboarder aus Prinzip zur Singlefin bekannt und bewusst auf das Schlitzen und Hacken in, an und auf der Wellenlippe verzichtet. Die Singlefin bremst zwar beim Kurvenfahren mehr als ein Thruster, aber beim Geradeauslauf eben weniger. Und da die Einzelfinne länger ist als etwa die Twinfins, hat sich für sie ein neues Gebiet erschlossen: die Gun. Hier will man möglichst schnell geradeaus fahren und wenig Turns ansetzen, braucht aber in steilen Sektionen noch die
Länge der Finne, um keinen Spin-off zu haben. So sieht man wieder mehr und mehr moderne Boards für schnelle steile Wellen mit einer Retro-Singlefin.
2 Finnen
Die Retrowelle hat sie wieder aus den staubigen Ecken dunkler Garagen ans Tageslicht unserer Aufmerksamkeit gespült, die Twinfin. Zuerst mehr Gag oder als Statement gegen unsouliges Rippen gedacht, stellte sich bald heraus, das sich Twinfins auch mit modernen Designs ganz gut vertragen – und sogar einen entscheidenden Vorteil vor dem Thruster haben – sie bremsen beim Geradeausfahren entschieden weniger, sind also schneller. Im Botton-turn und beim Cut-back merkt man außerdem die „fehlende“ Finne nicht so sehr. Im Top-turn allerdings fehlt einem schon der Druck im Tail und man fühlt sich etwas sketchie, letzlich fühlt sich das Surfen doch anders an als mit einem Thruster, was eben den Reiz der Twinfin ausmacht.
3 Finnen
Mittlerweile der absolute Klassiker, obwohl er noch gar nicht so uralt ist. Aber letztlich hat der Thruster das moderne vertikale Surfen geprägt wie kein anderes Boardfeature. Beim Geradeausfahren bremsen die Seitenfinnen insgesamt mehr als bei ein oder zwei Finnen, geht man jedoch in den Turn, so spielt der Thruster seine Überlegenheit voll aus. Die Seitenfinnen nehmen quasi das Einlenken in den Turn ständig vorweg, lenkt man dann tatsächlich in die Kurve,zieht einen der Thruster wie auf Schienen um die Ecke. Da man beim modernen Surfen ja ständig bemüht ist, ein Manöver ans andere zu reihen und wenig Zeit mit Geradeausfahren verbringt, ist für diesen Zweck einfach der Thruster noch immer die vielseitigste und alltagstauglichste Variante für moderne Surfboards.
4 Finnen
Der Quad ist groß im Kommen. Möglicherweise neben doppelten Finnenprofilen die Neuerung, die das Surfen ins neue Jahrtausend katapultiert. Der Quad soll das Beste aus der Twinfin, nämlich die schnelle Geradeausfahrt, mit dem Besten des Thrusters, nämlich der Geschwindigkeit und gleichzeitiger Kontrolle im Turn und an der Wellenlippe, kombinieren. Wo heutige Surfer selbst mit neuen Finnenprofilen und Thruster schon an ihre und die Grenzen ihres Materials kommen, nämlich dass sie zwischen den Turns nicht noch mehr Geschwindigkeit generieren können um die Geschwindigkeit im nächsten Turn in ein noch unglaublicheres Manöver zu verwandeln, könnte der Quad hier Abhilfe schaffen und die Power Turns und Aerials in noch unglaublichere Dimensionen katapultieren. Die meisten Top- Fahrer haben zumindest schon einen Quad in ihrem Equipment. Ob der Quad das Surfen in eine neue Dimesion führt oder eine Spielerei unserer Zeit bleibt, werden wir dann spätestens in 20 Jahren wissen…Wer braucht schon Finnen, die bremsen doch bloß...
5 Finnen
In den 70ern wurde der „Bonzer“ zunächst mit 3 Finnen gebaut, später dann wurde das Set-up um zwei zusätzliche sog. „Keels“ erweitert. Mit dem Wiederaufleben alter Finnenanordnungen wurde auch der Bonzer wieder eingesetzt. Die 5-Finnen-Anordnung soll das Beste des Thrusters mit dem Besten der Singlefin kombinieren, also weiche Turns mit mehr Kontrolle und schnellere Geradeausfahrt mit leichterem
Kurveneinlenkverhalten zusammen bringen. So sollen die vorderen Seitenfinnen den Wasserstrom auf die mittleren Seitenfinnen lenken und deren Profil besser anströmen, welches dann trotz geringerer Fläche eine größere Wirksamkeit entfaltet, insgesamt aber weniger bremst als eine normal große Seitenfinne. In Amerika - und damit bald auch in Europa - ist nach der „Quad-Mania“ derzeit die „Bonzerisierung“ aktuelles Thema. Dabei geht es darum, seinen Lieblings-Thruster-Shape nachbauen zu lassen und dabei das Tail in einen Bonzer zu verwandeln - also mit Channels und 5 Finnen zu versehen. Jedes Finnenset, das nicht aus drei Finnen besteht, ist natürlich schlecht kompatibel zu anderem Surfequipment und somit meist auch schwer verkäuflich. Auch wenn 5-Finnen bei bestimmten Boards und bestimmten Wellenbedingungen klare Vorteile vor Thrustern bringen, wird der Bonzer sicher auch weiter ein Nischendasein führen.
6 Finnen
Sechs Finnen?! Jetzt hörts aber langsam auf! Doch im April 09 wurde Jordy Smith beim WT-Event in Bells Beach/ Australien bereits mit einem 6-Finner gesehen. Vorteile? Viel hilft viel, vielleicht auch unterm Surfbrett...


(Text: Ralf Götze)



 
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