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River Surfing



Riversurf Contest München vom 9. August 2003


Munich Surf Open

Vor Hochsommer, die Sommercamps sind vorbei, Für viele Snowboarder Zeit das Surfboard auszupacken und mangels Surfspots im eigenen Land an den Atlantik oder an einen anderen Surfspot zu verschwinden. Doch wem im Sommer das nötige Kleingeld für einen Surftrip fehlt, oder wer bei dem schönen Wetter lieber hier bleibt, auch für den gibt es Alternativen - das Riversurfen.

Unbestrittene Hauptstadt des Riversurfens in Europa ist wohl München. Hier hat sich eine eigene kleine Riversurfcommunity gebildet. Und da auch fast jeder aus der Völkl Famillie irgendwas mit dem Wellenreiten zu tun hat, Grund für Völkl auch mal einen Contest im Sommer zu sponsorn. Als Krönung der Surfsaison in München gab es am Samstag einen Surfcontest. Beim munich surf open wurde unter internationaler Beteiligung um die Krone der besten Riversurfer in den Klassen male, female und youth gebattlet. Auch die Völkl Famillie war auf dem Contest vertreten und war mit dem Freeskiing Pro Sebastian Garhammer auch bei den Startern vertreten. Die Welle stand perfekt und die Sonne sorgte für tropische Temperaturen. Ebenso passte von der Organisation alles und so stand einem gelungenem Contest nichts mehr im Wege. "The early bird catches the worm" heisst es unter Surfern und so ging es schon um 9:30 mit den ersten Qualiruns los. Bei den Jungendlichen überzeugte Laura Sonntag durch ihre smoothen runs und verwies die älteren Jungs auf die Plätze. Die Mädelsdisziplin wurde dominiert von Marion Schöndorf, Platz 2 und 3 für Margit Memminger. Überraschung bei den Männern. Hier könnte Riversurfabosieger Moritz Rodenbacher im Finalrun nicht alle Skills auspacken und musste sich hinter Tobias Kringel und Alex Korres einreihen. Herzlichen Glückwunsch und ein nagelneues Völkl Snowboards für den Tobi! Dicke props auch für Peter Bartel aus Graz, der in der Localdomäne mit seinem 5.Platz überraschen konnte.


Über 30 Jahre Riversurfing

Vor ca. einem Dritteljahrhundert wurde das Flußsurfen in München entdeckt und es entwickelte sich in der Weltstadt mit Herz eine Surfszene, die sich sehen lassen kann. Der eingeschworene Clan der Süßwassershredder surfte von der Öffentlichkeit nahezu unbelligt zwei Jahrzehnte vor sich hin. Jedoch im Sog des Snowboardens und des allgemein gestiegenen Interesses an Adventure-Sports wurde auch das Flußsurfen vor allem für die Medien immer attraktiver und das wiederum sorgte für neuen Zuwachs, länger werdende Warteschlangen am Ufer und Bad Vibes.
Angefangen hat alles mit Arthur Pauli dem, wohl im Zeichen der Wasserratte geborenen,Vater des Riversurfing. Schon als Teenager benutzt Pauli Surfbrett, Seil und Baum um auf der Alz gegen die Strömung "Wasserski" zu fahren. Jahre später, Pauli lebt bereits in München, bemerkt er beim "Wasserski" fahren oberhalb der Floßlände, daß er auf eine stehende Welle gelangt das an einem Baum befestigte Seil auslassen und immer noch weiter surfen kann. Kurz drauf entdeckt Artur die eigentliche Floßländenwelle, die steiler ist und den Einstieg über die Mauer recht leicht macht. Schon bald wird die in Süden Münchens gelegene Welle zum internationalen Zentrum der Flußsurfer, denn noch im gleichen Jahr organisiert Arthur mit Freunden die "Bavarian Open" im Riversurfing mit internationaler Wertung für die zum Oktoberfest anwesenden Australier und Amerikaner. Gewertet wird ganz einfach wieviele der knapp vor der Welle hängenden Fähnchen innnerhalb von 30 Sekunden passiert werden. Surfcontest, Bier und Barbeque ergänzen sich, wie immer, prächtig und Freundschaften für ein Surferleben entstehen.

Über Jahre hinweg ist die Floßlände der einzige Spot in München, bis Steffen Dittrich, heute Surffotograf und -Journalist den Eisbach im Englischen Garten zu surfen beginnt. Nach und nach verlagert sich die Szene, die Floßlände wird wegen der ungleich geringeren Verletzungsgefahr zum Anfängerspot und die Cracks tummeln sich am Eisbach.

Seither ist viel Wasser durch München geflossen und an den einzelnen Spots soviel passiert, daß man Bücher füllen, könnte: wie zum Beispiel das Verbot des Flußsurfens und den daraus resultierenden Verfolgungsjagden zwischen Polizei und Surfern. Oder die Besuche von internationalen Surfgößen wie Gerry Lopez und Shaun Thompson. Letztes Jahr drehte Swatch mit gigantischem Aufwand und dem extra aus Hawaii eingeflogenen Conan Hayes einen Werbespot; Quirin Rohleder der ungekührte aber unumstrittene River-Multi-Crown-Champ wird kurzerhand zum technischen Berater und Personal Coach von Conan, in and out of the water, versteht sich von selbst. Auch der "Meister" alias Gildo Horn, am Fluß unter dem Decknamen Günter fungierend sucht hier Entspannung vom Jet Set, wie die Photos skrupelloser Paparazzi belegen.

Wie beim Wellenreiten am Meer scheint auch das Flußsurfen ein Quell ewiger Jugend zu sein wie das Beispiel von Chris belegt. Der promovierte Betriebswirt kommt täglich direkt aus der Chefetage der Handwerkskammer tauscht Anzug und Krawatte gegen Surfbrett und Neo und vollzieht somit eine Wandlung ähnlich der des Clark Kent zum Supermann. Schon wenn der "Doc" um die Ecke biegt hat er die glänzenden Augen und das eingemeiselte Grinsen, das man von ihm am Spot gewöhnt ist. Erst nachdem alle Freunde begrüßt sind, stürzt er sich in den Hügel tosenden Wassers. Wirklich erstaunlich ist wie in der münchner Surfszene die unterschiedlichsten Charaktere aufeinandertreffen und zu einer homogenen Surfszene verschmelzen.

Aufgrund der nicht enden wollenden Veröffentlichungen haben sich mittlerweile vielerorts Festlandsurfer auf die Suche nach Flußwellen begeben und sind sogar fündig geworden. Zumindest in der Nähe von Zürich, bei Augsburg und im Sauerland wurden weitere Wellen entdeckt. In der Schweiz sollten dieses Jahr sogar die ersten River Surf Classic stattfinden. Aber das letzte ultimative Outing steht kurz vor der Tür; im der dritten neu überarbeiteten Auflage des "Stormrider Guide Europe" wird alles wissenswerte über unsere Flußwellen nachzulesen sein. Ich bin auch schon wirklich gespannt zu erfahren welche Swell- und Wind-Direktion bei welcher Tide die besten Tubes erzeugt.

(Text: Uli Scherb)








 
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