News vom: 06.08.2009
ISA World Surfing Games 2009
Playa Hermosa, der 5. August 2009
Das Wunder von Hermosa – Made by Pura Dieter
Strömender Regen und harter Onshore: „Das sind meine Bedingungen. Die kenn ich
aus meiner Heimat!,“ meint der Kölner Dieter Gerards zu seinen Mitstreitern im
Heat und macht dann seinem neuen Spitznamen „Superdieter“ alle Ehre. Im ersten
Heat kickt Dieter die Schweiz raus und zieht auf Platz zwei, hinter den USA, in die
zweite Hauptrunde ein. Siegestaumel im Team und Vorfreude auf Heat zwei. 1 ½
Stunden später ist es dann wieder soweit – nicht nur die Wetterverhältnisse haben
sich dramatisch verändert, auch die Konkurrenz sieht übler aus: Ecuador, Tahiti und
Brasilien wollen Dieter an die Wäsche. Aber das Team ist sich sicher: Superdieter
wird das Kind schon schaukeln und hält wacker, „Ist es Dieter, Dieter oder Dieter?“
singend die Stellung an der Wasserkante, während rings herum die Welt im Regen
untergeht. Die Spannung ist unvorstellbar, denn Dieter wartet knappe zehn Minuten,
bis er eine Welle anstartet. Das Team tanzt trotzdem am Strand, singt Dieter
Ständchen und badet fahneschwenkend im Meer, denn da ist es eindeutig wärmer
als an Land. Und dann schießt Dieter los, packt sich eine linke Welle und haut
reichlich Reentries und Floater in die Wand. Wir drehen durch. Regen egal, weiter
tanzen und Dieter spürt die Vibes, nimmt sich eine nächste, noch steilere Welle und
fährt radikale Manöver. Hat das gereicht für Platz zwei? Wie warten gespannt auf
die Durchsage. Doch die Computer haben Probleme, man muss sich gedulden.
Zermürbende Minuten verstreichen, kurz vor Heatende. Mit Bangen verfolgen wir
jeden Surf der Heatkonkurrenz, während Dieter zurück ins Line Up paddelt. Dann die
Durchsage: eine 5er und eine 6er Wertung. Dieter ist Heaterster! Alle drehen durch
springen, sich in die Arme und wirbeln sich gegenseitig durch die Luft. Niemand
kann es fassen. Mit diesem Score gewinnt er nicht nur den Heat, er holt sich
gleichzeitig sogar den höchsten Heatscore des Teams seit Beginn der WSG und zieht
als Einziger in die dritte Hauptrunde ein. Pura Vida für Deutschland dank Pura
Dieter.
Leider hat Tino Steinborn das nötige Glück gefehlt, der Wahl Costa Ricaner und
ehemalige hamburger Türsteher und sylter Local, schied knapp in der Repercharge
aus, obwohl ihm nur eine 1 Punkt Welle gefehlt hätte.
Superdieter muss morgen wieder ran und wird, in vorhergesagten Riesenwellen,
zeigen, was er drauf hat. Aber schon jetzt ist er zur Legende geworden, die ISA
hielt bereits fleißig Interviews mit dem Newcomer und er wird sicherlich das
Topthema der heutigen WSG Berichte.

1. August Playa Hermosa
Sieg für Paul Grey und Thomas Lange - deutscher Raketenstart bei den World Surfing Games
Was für ein Tag! Heute Morgen um 8 Uhr in der früh, kurz vor Wettkampfstart
schlagen uns bereits wieder 30 Grad entgegen und wir wissen: Es wird noch viel
heißer werden.
Das kühle Meer lockt, doch Thies Möller muss sich gedulden. Erst um 9.30 Uhr
ertönt das Startsignal zu seinem Heat: Der erste bei den WSG für Team
Germany. Auch wenn außer Thies niemand trompeten kann, macht das Team
Riesenstimmung an der Wasserkante, auch Guatemala schwenkt für uns die
Fahne.
Gestern noch in der Parade der Nationen mit uns getanzt, sind sie heute
unsere größten Fans. Thies kämpft sich durch und sucht sich taktisch
klug seinen Gegner Louis Chamarro aus Nicaragua, an dem er permanent
dran bleibt. Beide liefern sich ein unerbittliches Battle um den zweiten Platz in
dem Thies viele Wellen anstartet und mit souveränen Cut Backs absurft.
Chamarro behält dennoch die Nase vorn, so das sich Thies schlussendich mit
einem soliden dritten Platz zufrieden geben muss.
Dann ist Paul Grey an der Reihe und macht das Unmögliche möglich. Gegen
Kristian Kimmerson (BRA), Carl Tattenbach (CAN) und Warren Knowles (BAH)
rippt Paul was das Zeug hält und liefert eine Show der Superlative. Lange hält er
sich mit solidem Surfen auf dem zweiten Platz hinter dem Brasilianer, sammelt
Kräfte, um dann voll durch zu starten. In einer Left haute er vier verschieden
Turns raus, die er gut miteinander verbindet und radikal ausführt.
Es ist nicht zu fassen, Paul ist auf der Eins. Das Team an der Wasserkante rastet aus.
Thies spielt unseren Kampfsong, "Seven Nation Army" von den White Stripes,und
wir führen Freudentänze auf. Die Fans am Strand und sogar die Heatsprecher
sind überwältigt. Deutschland hat sich schon jetzt in die Herzen gespielt und das
nicht nur durch die surferische Leistung. "Germany keeps firering up" schreibt
die ISA auf der WSG Webpage und meint damit die Bombenstimmtung im
Nationalteam.
Es bleibt kaum Zeit zum Atem holen. Gerry Schlegel, von den Sprechern "Mr.
Schägel" genannt, muss direkt nach Paul ins Wasser. Auf ihn warten Zähne
fletschend Gabriel Medina (BRA), Alex Barnet (CAN) und Rex Calderon (NIC).
Gerry zeigt seine typischen Flussurfmanöver, wie 360s und Shophops und
schindet damit mächtig Eindruck. Für den zweiten Platz reicht es dann aber
ganz knapp nicht. Gerry holt eine 5,33 und Calderon zieht mit nur 1,3 Punkten
Vorsprung an ihm vorbei und positoniert sich hinter dem Brasilianer der mit
10,76 den Heat gewinnt.
Gerry ist kurz frustriert, aber die Reperchargerunde wartet und da will er noch
mal das Ruder rumreißen.
Um die Mitttagszeit, in der unerbittlichen Sonne, ist dann Thomas Lange am
Start.
Die deutsche Surfikone, seit 6 Jahren wohnhaft in Costa Rica lebt, kennt den
Spot wie seine Westentasche und das stellt Thomas eindrücklich unter Beweis.
Er sucht von Beginn an aktiv offene Shultern, wechselt immer wieder die
Position und und kann starke Snaps und harte Newschool Manöver zeigen.
Thomas holt sich verdient den zweiten Platz hinter dem Brasilianer Marco
Fernandez, dem Mann mit dem höchstem Heatscore des Tages.
Glücklich und beseelt geht das Team in die Mittagspause. Um 15 Uhr schließt
Daniela Cramer den erfolgreichen Tag mit einer souveränen Leistung in ihrem
Heat gegen USA, Schweiz und Guatemala ab. In sehr schlechten Bedingungen mit
großen Close Out Wellen kämpft sie sich durch, geht in die fettesten Dinger rein
und kann drei Turns zeigen. Ein ums andere mal wird sie dabei durch den
Backwash ordentlich durchgewaschen. "Du surfst wie ein Mann", kommen
tiert Paul Grey Daniels Leistung. zu werden. Am Anfang noch auf Platz eins,
zogen dann aber die Schweizerin und die Amerikanerin, die sich mit 13,0
Punkten, nach Weltmeisterin Sophia Mulanovich, den höchsten Heatscore der
Open Frauen holte, an Dani vorbei. Dani war trotzdem happy. " Ich bin zum
ersten mal bei einer Weltmeisterschaft dabei und hab Guatemala geschlagen,
das ist für mich ein Riesenerfolg. Vor meinem Heat hatte ich echt Schiss und
wollte eigentlich gar nicht raus. Aber jetzt bin ich sowas von heiss auf die
Repercharge, da will ich noch mal alles rausholen."
Ein perfekter Einstieg für die kleine Surfnation Deutschland. Wir werden weiter
machen und euch jeden Tag auf dem Laufenden halten mit aktuellen News aus
Playa Hermosa.
Playa Hermosa, 31.07.09
Erster Titel für Deutschland – Minicontest gegen Österreich
Die deutsch-österreichische Freundschaft wurde gestern kurz auf Eis gelegt, denn beide Teams lieferten sich ein knallhartes Battle.
Bis zum Conteststart am morgigen Samstag wollte keiner warten, deshalb organisierten die Teammanager der Deutschen und Österreicher gestern morgen einen Mini-Ländersurf, bei dem sich die Starter der beiden Nachbarländer nichts schenkten, ausgenommen von Lena Gilhaus, die aufgrund eines Fincuts im Handgelenk aus den Wettkämpfen ausgeschieden ist und das Team von jetzt an nur noch an Land unterstützen kann.
Unter den kritischen Augen der Judges Jan Groenendijk und Carla Twelkemeier eröffneten die Open Starter Thomas Lange (DEU), Chris Schnitzer (AUT), Paul Grey (DEU) und Latzi Ruedegger (AUT) den Contest und lieferten einen Heat der knappen Entscheidungen, in dem sich Thomas und Chris auf den ersten, Paul und Latzi auf den zweiten Platz surften.
Die Mädels Daniela Cramer (DEU), Julia Kremser (AUT), Carla Twelkemeier (DEU), und Julia Hollnagel (AUT), starteten direkt ins Finale und kämpften hart in den schlechten Bedingungen. Julia Kremser setzte sich mit einem Turn und einem Cut Back auf die Eins und wurde kurz vor Schluss von Carla Twelkemeier überholt, die damit den Titel für Deutschland holte.
Die Longboarder Dieter Gerards (DEU) und Benjamin Richter (AUT) surften in ihrem Finale souverän und konnten einige Manöver zeigen. Benjamin setzte sich dann aber durch einige gute Wellen mit kleinen Hits vor Dieter und holte den 1ersten Platz für Österreich.
Nach dem herben Rückschlag bei den Longboardern konnten Gerry Schlegel (DEU) und Thies Möller (DEU) wieder für Deutschland punkten, im zweiten Open Heat gegen Lino Dilger (AUT) und Steve Pressler (AUT). Gerry Schlegel surfte sich mit seinen charakteristischen Flussurfmanövern auf Platz eins. Thies Möller schaffte es knapp an Lino vorbei und zog auf Platz zwei.
Im großen Open Finale hatte Thomas Lange dann Pech auf der Suche nach Barrels und großen Wellen. Dadurch verfehlte er kleinere Wellen, die ihm mehr Optionen geboten hätten. Diese Taktik verfolgte Chris Schnitzer, der auf kleine Wellen setzte, und somit mehr offene Schultern erwischte, die ihm den verdienten Sieg brachten.
Half aber nichts, denn in der Gesamtbewertung holte sich Deutschland Platz eins und das wurde gefeiert bei der großen Siegerehrung im Deutsch-Österreichischen Haus mit anschließendem Barbecue (Deutschland: 13360 Punkte – Österreich: 8060 Punkte).
Das Ergebnis schenkte unserem Team das nötige Selbstbewusstsein, um heute morgen bei der großen Parade der Nationen, die traditionell die World Surfing Games einläutet, mit einer guten Portion Stolz und natürlich jeder Menge Spaß die deutsche Fahne zu schwenken. Angeführt von Thies Möller, der mit den Klängen aus seiner Trompete die übrigen Teams und die jubelnden Fans am Strand zum Toben brachte, bahnte sich unser Team gemeinsam mit 35 weiteren Nationen den Weg durch die Straßen Jacos. Auch die sengende Sonne und gefühlte 40 Grad Außentemperatur, konnten der Stimmung keinen Abbruch tun. Nicht nur der Trompeten spielende Thies sorgte für Aufsehen, auch die mitgebrachten Steine interessierten Fans und Kamerateams. Normalerweise bringt jedes Team Sand von einem Strand seines Landes mit. Da Deutschland aber eine weltbekannte Flusswelle hat, wurden diesmal Steine aus dem münchener Eisbach mitgebracht und mit dem Sand der übrigen Nationen gemischt. „Ich war auch einmal in Deutschland und da
habe ich ein Mädchen auf einer Flusswelle surfen gesehen – der Wahnsinn!“, so ein begeisterter Costa Ricaner zu unserem Team.
Morgen früh um 8 Uhr starten die ersten Läufe. Das deutsche Team ist heiß und will alles geben. Den ersten Platz werden wir sicherlich nicht machen, viel zu hart ist die Konkurrenz aus Australien oder Hawaii, aber:
„Let`s kick some asses“.
Stundenplan für Samstag, 01.August 2009: Team Deutschland
09:20 Thies Möller, Heat 21 Podium 2
10:20 Uhr Paul Grey, Heat 8, Podium 1
10:40 Uhr Gerry Schlegel, Heat 9, Podium 1
11:40 Uhr Thomas Lange Heat 28, Podium 2
14:40 Uhr Daniela Cramer, Heat 13, Podium 2
Alles LIVE auf http://www.billabongpro.com/isa09/live.php

30.07.2009
Das deutsche Team surft sich warm für die 2009 Billabong ISA World Surfing Games
Tropische Hitze, 100 % Luftfeuchtigkeit und 28 Grad Wassertemperatur, das deutsche Nationalteam, frisch in Costa Rica gelandet, muss deshalb nicht nur Jetlag wegschlafen, sondern dem Körper ebenfalls Zeit geben, um sich zu akklimatisieren. In weiser Voraussicht ist das Team schon eine Woche vor Contestbeginn angereist, um sich optimal auf die Wettkampfbedingungen einstellen zu können. Nur noch eine knappe Woche verbleibt, denn vom 1. bis zum 8. August wird hier in Playa Hermosa, an der Pazifikküste Costa Ricas, die Elite aus allen Surfnationen bei den 2009 Billabong ISA World Surfing Games um den Weltmeistertitel kämpfen.
Nach einem kleinen Nominierungschaos aufgrund von Verletzungspech und Terminüberschneidungen bei den Surfern, steht das deutsche Nationalteam nun fest und konnte im deutschen Haus, nur wenige Meter von der Wettkampfzone entfernt, Quartier beziehen. An den Start für Deutschland gehen: Thomas Lange (Open), Paul Grey (Open), Gerry Schlegel (Open), Matthias Möller (Open), Daniela Kramer (Open Frauen), Lena Gilhaus (Open Frauen), Tino Steinborn (Longboard) und Dieter Gerards (Longboard). Gemanaged wird das Team von DWV Präsident Jan Groenendijk und Assistent Teammanagerin und Pressesprecherin Lena Gilhaus. Carla Twelkemeier ist als deutscher Judge vor Ort.
„Wir haben ein buntes Team mit vielen neuen Gesichtern und ich bin froh, dass alle die weite Reise auf sich genommen haben um bei den Meinsterschaften zu starten. Die Kulisse ist einzigartig und die Stimmung am Strand schon jetzt eine Woche vor dem offiziellen Start betörend. Wir haben die besten Deutschen Surfer hier versammelt und alle sind heiß darauf im internationalen Kräftemessen ihr bestes Surfen präsentieren zu können“, freut sich Jan Goenendijk Präsident des Deutschen Wellenreitverbandes.
Am kommenden Donnerstag wird das Nationalteamquartier zu einem Deutsch-Österreischen Haus, die österreichische Mannschaft zieht mit ein, um gemeinsam mit den Deutschen zu trainieren Für Donnerstag ist ein deutsch-österreichischer Minicontest geplant, wo sich die beiden Teams unter den Augen der Kampfrichter Carla Twelkemeier, Jan Groenendijk und Johnny Nestlinger und natürlich auch, um gegenseitig die Kräfte zu messen.
Das deutsche Team will sich optimal vorbereiten: „Gegen den Jetlag versuche ich einfach lange wach zu bleiben, jeden Tag mehrere 1 ½ stündige Sessions zu surfen und in den Pausen mit Streching und Yoga auszugleichen. Am Conteststrand ist es mir grad zu Closeout, deshalb werden wir die Tage mal ein bisschen Pointbreakchecking betreiben, „ so Daniela Cramer. Es wird spannend und ihr bleibt mit uns hautnah dabei. Verpasst nicht am Donnerstag den Bericht vom deutsch-österreichischen Ländersurf.

Quelle: DWV
Text: DWV | Lena Gilhaus
Fotos: © DWV