Eisbach in Gefahr
Gerade wird in München wieder die Schließung "Vernichtung" der Eisbachwelle diskutiert.
Im Wortlaut aus der AZ:
Zu gefährlich: Chef des Englischen Gartens will die Eisbach-Welle platt machen
MÜNCHEN Thomas Köster hätte eigentlich allen Grund zur Freude: Ein Super-Sommer mit einem gewaltigen Besucher-Ansturm liegt hinter dem Münchner Park-Chef und seinem Heiligtum, dem Englischen Garten. Rund 3,5 Millionen Besucher werden sich heuer voraussichtlich auf den staatlichen grünen Wiesen vergnügt haben - das sind mehr Menschen als im WM-Jahr 2006. Die Schattenseite der Erfolgsgeschichte: Die schlimmen Unfälle im Eisbach und der Ärger mit den Surfern, die dort trotz Verbots die Welle reiten.
Im Juli dieses Jahres waren ein Münchner Oberstudienrat und ein australischer Tourist im Eisbach ertrunken. Zehn Menschen sind seit 1998 in den kühlen Fluten umgekommen.
Dennoch gilt der Eisbach noch immer als weltweit anerkannter Surf-Spot. Wer dort in die Welle geht, weiss, was er tut. Aber dem Park-Chef Köster sind die Wellenschlitzer ein Dorn im Auge. Sie seien nach seiner Meinung ein schlechtes Vorbild.
Deshalb will Köster nun einen Schlussstrich unter die einzigartige Touristenattraktion mitten in der Stadt ziehen: "Die Welle muss weg!", fordert er. "Wir haben so viele Besucher im Jahr, da sind wir auf so eine gefährliche Attraktion wie eine Surfwelle garantiert nicht mehr angewiesen."
Wie soll die Welle platt gemacht werden? Die Schlösser- und Seenverwaltung verfolgt einen bisher geheimen Schlachtplan. Der erste Streich: Durch eine bessere Überwachung soll verhindert werden, dass die Surfer weiterhin Holzbretter an die Prinzregentenbrücke anbringen. Denn erst durch diese Konstruktionen entwickeln die Strömungen des Eisbachs ihre gefährliche Kraft - für Köster ist diese Beschleunigung "das Hauptproblem". "Wenn die Stadt das nicht mehr zulässt, wäre die Welle entschärft."
Ansonsten schliesst er nicht aus, dass sich in Zukunft ein privater Investor um die Überwachung der Surfer am Eisbach kümmere. Auch das Schlittschuhlaufen am Nymphenburger Kanal sei schliesslich seit Jahren in der Hand eines privaten Betreibers.
Die Stadt, die bereits die Internet-Werbung mit den Eisbach-Surfern gestoppt hatte, hat das Problem erkannt und zeigt sich gesprächsbereit. "Es reift die Ansicht, dass die Nackerten-Wiese eine viel grössere Attraktion für den Englischen Garten ist, als diese simple Welle", sagte Köster.
Gut möglich allerdings, dass sich das Problem bald von allein lösen wird und Münchens Surfer ein neues Zuhause finden: Dem Referat für Gesundheit und Umwelt liegt bereits ein Antrag der Dreamwave GbR vor, der auf die Realisierung einer Welle an der Wittelsbacherbrücke zielt. Im Zuge der Isar-Renaturierung soll dort eine 25 Meter lange und einen Meter hohe Welle für Surfer und Kanufahrer entstehen. Demnächst wird sich auch der Stadtrat mit dem Projekt befassen.
Durch eine spezielle Konstruktion zur Vermeidung gefährlicher Rücklaufwirbel, wie sie am Eisbach vorkommen, will der Investor zudem die Sicherheit der Surfer gewährleisten. Jetzt muss die Alternative nur noch vom Stadtrat genehmigt werden. Daniel Aschoff
Die Münchner Surfszene hat reagiert und unter http://www.rettet-die-eisbachwelle.de eine digitale Unterschriftenliste gestartet und versucht dadurch das drohende Unheil abzuwenden.